Museumscafé

Mein erster Tag in Dublin. Bin gestern Abend angekommen und habe meine glückliche Landung mit einem Chicken-and-Ham-Pie und einem Pint Guinness in einem Vorort-Pub gefeiert. Heute bin ich nun seit fünf Stunden in „Dublins fair city, where the girls are so pretty“  unterwegs. An der Molly-Malone-Statue werde ich auch noch vorbeischauen und Hallo sagen – aber ich schweife ab.

Viiiele Kilometer bin ich, wie gesagt, schon gelaufen, habe Parks und Buchläden bestaunt, ein kleines Museum über Dublins Geschichte (spannendes Sammelsurium von Exponaten aus mehr als 100 Jahren) angeschaut, Scones und Shortbread bei Marks & Spencer gekauft und bin dann noch mehr gelaufen. Dann aber schrien meine Füße nach einer Pause und der Rest von mir nach Kaffee. Da ich mich gerade in der Nähe des Archäologiemuseums befand, trat ich ein. In viele Museen von Dublin kommt man umsonst rein. Ausgebuddelte Speerspitzen und keltische Tonscherben finde ich jetzt nicht sooo spannend. Aber ich habe die besten Erfahrungen mit Museumscafés. Ein solches war auch hier nicht schwer zu finden. Die Preise für Sandwiches und Salate fand ich etwas hoch (mein Reisebudget ist beschränkt), aber ich habe mir einen Milchkaffee (mit dem man allerdings keine Toten aufwecken kann) und eine Flasche Sprudelwasser gegönnt. Dazu esse ich jetzt heimlich die M&S-Kekse.

Dieser Raum erfreut Auge und Herz mit einem munteren Stilmix. Eine geschnitzte Flügeltür mit blau-goldenen Ornamenten am Rahmen empfängt die kaffeedurstigen Museumsbesucher, der Boden ist mit bunten Mosaiken belegt, sehr hübsch. Die braunen Lederstühle sind nicht schön, dafür aber bequem. Von der Decke hängt ein Kristallleuchter mit Energiesparlämpchen, deren schwaches Licht von einem modernen Deckenleuchtensystem ergänzt wird. Das Beste aber sind die Wachstuchtischdecken mit lindgrünem 70er-Jahre-Muster. Nein, nicht wahr: Die Kuchen in der Vitrine sind bestimmt noch  viel, viel besser. Aber ich beschränke mich aufs Anschauen. Studiere den Reiseführer, schreibe und möchte meinen Bericht damit abschließen, dass ich im Museumscafé des Ryksmuseums in Amsterdam mal den besten Apfelkuchen der Welt bekommen habe, und in Wien im Kunsthistorischen Museum einen Marillenstrudel zum Niederknien. Geschrieben habe ich dort nicht. Ich war jeweils mit einem Mann dort. Hier bin ich allein und ohne Kuchen und kann also ungestört ein Loblied auf die Museumscafés dieser Welt singen.

Diesbezügliche Tipps für meine nächsten Reisen sind mir übrigens sehr willkommen!

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